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Chatbot Findus: Kreisverwaltung beantwortet Fragen rund um die Uhr

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Chatbots gibt es schon länger auf Webseiten. Bis vor wenigen Jahren reagierten sie jedoch häufig nur auf Schlüsselwörter in den Anfragen, wie zum Beispiel „Öffnungszeiten“ oder „Adresse“, und gaben dann eine vorgefertigte Antwort. Im Grunde waren sie nur eine interaktive Suchfunktion. Mit Erfolgen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und dem Aufkommen von großen Sprachmodellen wie ChatGPT hat sich das geändert. Chatbots, die mit Millionen von Texten trainiert wurden, können nun deutlich flexibler und zielgerichteter antworten. Die Herausforderung bei den neuen Chatbots ist es, sicherzugehen, dass sie immer korrekte Antworten geben und nicht auf falsche Informationen aus ihren riesigen Trainingsdaten zurückgreifen.

Die Kreisverwaltung Südwestpfalz hat dafür eine Lösung gefunden: den Chatbot Findus des Unternehmens H24. Er nutzt die Technologie von ChatGPT und kann dadurch flexibel und genau antworten. Er wurde jedoch speziell mit den Daten der Internetseite der Kreisverwaltung trainiert. Ihm ist es verboten, für die Beantwortung von Fragen auf sein allgemeines Weltwissen zuzugreifen. So wird sichergestellt, dass er korrekt antwortet.

Das Projekt wurde durch den Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) gefördert. Die vorherige Förderrunde hatte die Kreisverwaltung bereits genutzt, um interne Abläufe zu automatisieren. 2025 ging es an die Außenkommunikation: Durch einen Chatbot sollen die Menschen im Landkreis auf der Internetseite der Kreisverwaltung einfacher und schneller relevante Informationen finden – zu Themen aus dem Gesundheitswesen, aber auch aus anderen Abteilungen.  

Auf der Webseite des Landkreises www.lksuedwestpfalz.de begrüßt Chatbot Findus die Nutzer in Form eines blauen Eichhörnchens. Ein Klick auf das Symbol startet den Chat. Nutzer können dann ihre Anliegen formulieren, Nachfragen stellen oder ihre Anfrage im Gespräch verfeinern. Der Grundsatz lautet: Je genauer die Anfrage, desto besser das Ergebnis.

Für eine möglichst hohe Barrierefreiheit können Nutzer ihre Fragen auch per Mikrofon stellen oder sich die Antworten vorlesen lassen. Der Chatbot kann zudem in Leichter Sprache antworten. Darüber hinaus versteht er verschiedene Sprachen. Damit ergänzt er das Angebot der Kreisverwaltung, die im Ausländerwesen bereits Anträge in verschiedenen Sprachen online zur Verfügung stellt.

Zwei wichtige Einstellungen sichern die Qualität der Antworten: Erstens greift der Chatbot nur auf die freigegebenen Informationen der Internetseite der Kreisverwaltung zu. Zweitens verfügt er nur über ein Kurzzeitgedächtnis. Sobald ein Nutzer die Seite verlässt, endet der Chat. Informationen aus dem vorherigen Gespräch werden nicht zu Trainingszwecken verwendet.

Der Chatbot wird rege genutzt. Seit seinem Start im August 2025 gingen über 2000 Chatanfragen ein. Die Themen reichten dabei vom Elterngeld über die Müllentsorgung bis hin zu Fragen aus dem Bereich Gesundheit – ob zum Infektionsschutzgesetz oder zur Schuleingangsuntersuchung. Die Verwaltung wertet die Anfragen und Antworten im Hintergrund aus, anonymisiert und datenschutzkonform. Sollte der Bürger personenbezogene Daten eingeben, werden diese automatisch erkannt und nicht gespeichert. Die Analyse der Fragen und Antworten hilft, die Trainingsdaten und die Systemanweisungen an den Chatbot zu verfeinern. Das Ziel ist, die Antworten kontinuierlich zu verbessern und noch präziser zu machen.

Dabei zeigt sich ein wichtiger Nebeneffekt: Die Analyse hilft auch, Fehler auf der Webseite schneller zu entdecken. So fielen bei ersten, internen Tests zum Beispiel veraltete Adressen von Außenstellen auf. Diese konnten dadurch umgehend korrigiert werden. Inzwischen wird der Chatbot sogar intern genutzt, um die Aktualität der Internetseite der Kreisverwaltung zu kontrollieren.

Die Wissensbasis des Chatbots wird zudem laufend erweitert. Aktuelle Schwerpunkte sind neben dem Bereich Gesundheitswesen auch Integration und Jagdrecht. Zukünftig soll der Chatbot zudem Informationen des Serviceportals Rheinland-Pfalz und des Robert-Koch-Instituts einbinden können. Darüber hinaus ist geplant, das Design an den Internetauftritt des Landkreises anzupassen.

Der finanzielle Aufwand liegt insgesamt bei einem mittleren fünfstelligen Betrag, der gefördert wurde. Diese Summe schließt die Dienstleistungen zum Start sowie die Lizenz- und Servicegebühren für 24 Monate ein. Die jährlichen Kosten liegen im niedrigen vierstelligen Bereich.